«Veränderungen brauchen Zeit»
Marius Baumgartner über mutige Entscheidungen und transparente Kommunikation.

«Die SVE nimmt in der Pensionskassen-Landschaft aktuell eine Spitzenposition ein.»
Nach zwölf Jahren im Stiftungsrat der SVE, davon zehn Jahre als Präsident, übergibt Marius Baumgartner sein Amt. Seine Zeit an der Spitze war geprägt von weitreichenden Entscheidungen, klaren Grundsätzen und dem Anspruch, die SVE langfristig zu stärken und zukunftsfähig aufzustellen. Im Interview spricht er über persönliche Momente des Abschieds, über anspruchsvolle Reformen und darüber, weshalb Transparenz, Offenheit und der Dialog mit den Versicherten für ihn stets zentral waren.
Herr Baumgartner, Sie erreichen in diesem Jahr das reglementarische Maximalalter für Stiftungsratsmitglieder und geben Ihr Amt als Stiftungsratspräsident ab. Wie fühlen Sie sich in diesem Moment?
Die Zeit als Stiftungsratspräsident wurde von mir stets als anspruchsvoll und gleichermassen erfüllend empfunden. Die SVE nimmt in der Pensionskassen-Landschaft aktuell eine Spitzenposition ein. Nach zehn Jahren als Präsident ist es gut, dieses Amt in jüngere Hände übergeben zu dürfen. Auch im Vertrauen, dass ein verantwortungsvoller Stiftungsrat waltet und ein gewissenhafter Stiftungsratspräsident das Zepter übernehmen wird. Aber ich gehe auch mit einem weinenden Auge – ich habe dieses Amt sehr gerne ausgeführt und die konstruktive Zusammenarbeit mit den Gremien, den Mitarbeitenden und Stiftungsräten sehr geschätzt.
Wenn Sie auf Ihre Zeit als Stiftungsratspräsident zurückblicken: Welche Entwicklungen haben die SVE besonders geprägt, worauf sind Sie besonders stolz und warum?
Einerseits sind die Regulierungen von Aufsichtsseite immer grösser geworden, andererseits war ich mir im Klaren, dass wir die SVE weiterentwickeln müssen, um im Markt als eine der grossen Pensionskassen bestehen zu können.
Ausgehend von der Analyse im Jahr 2015 haben wir drei Entwicklungsschritte angestossen: Erstens, die Eliminierung der Pensionsverluste von Jung zu Alt durch die Senkung des Umwandlungssatzes. Zweitens, die Zuführung der durch Schritt eins generierten freien Mittel an die Versicherten mittels Zusatzverzinsung und Zusatzrenten. Und drittens, die Öffnung der PK für andere Anschlussfirmen. (Anmerkung der Redaktion: Die SVE war bis zur Öffnung im Jahr 2019 eine Mitarbeiterkasse des Sulzer-Konzerns.) Die SVE wurde immer kleiner, weil Firmen verkauft wurden und wegbrachen. Die Frage war nun, wie können wir die Stellung der SVE unter den 30 bis 50 grössten PKs, zu denen wir gehören wollen, festigen. Das war ein Ziel, das wir von Anfang an verfolgten.
Welche Herausforderung hat Sie am meisten gefordert und was konnten Sie daraus lernen?
Sicher die Umwandlungssatz-Senkung, diese hat bei den Versicherten zu Verunsicherungen geführt. Am interessantesten waren die Roadshows. Die kontroversen Diskussionen mit den Versicherten: Ältere Versicherte, die kurz vor der Pensionierung standen, waren unzufrieden, weil sie eine geringere Rente erhalten würden. Jüngere Versicherte äusserten sich, warum dieser Schritt nicht schon früher gemacht wurde. Das hat mir gezeigt, mit einer sinnvollen Lösung bewegen wir uns auf dem richtigen Weg. Wir haben allen zugesichert, dass wir freie Mittel in Form von Zusatzverzinsungen und Zusatzrenten soweit als möglich zurückgeben würden. Das glaubte uns damals niemand, dass wir das tun würden, aber heute haben wir den Beleg dafür. (Anmerkung der Redaktion: 2019 wurde das Beteiligungsmodell eingeführt und seit 2021 jährlich eine Zusatzverzinsung und Zusatzrente gewährt.) Mein Learning ist, dass Veränderungen im PK-Umfeld Zeit brauchen und sehr transparent und offen kommuniziert werden müssen. Die PK-Landschaft ist wie ein Riesen-Tanker: Man muss fünf bis zehn Jahre vorausdenken.
Welche Werte oder Grundsätze waren für Sie in der Führung des Stiftungsrats besonders wichtig?
Offene, transparente Diskussionen im und mit dem Stiftungsrat, so, dass verschiedene Meinungen Platz haben und wertschätzend und zielgerichtet Lösungen umgesetzt werden. Wichtig ist, alles zu diskutieren, auch auf die Gefahr einer Konfrontation hin. Diese ist am geringsten, wenn man die Diskussion offen führt. Das ist einer der wichtigsten Punkte, der den Stiftungsrat auszeichnet.
Was wünschen Sie Ihrem Nachfolger und dem gesamten Stiftungsrat für die Zukunft der SVE?
Alles Gute (lacht)! Und dass sich der Stiftungsrat weiterhin so gut entwickeln kann, wie bis anhin. Ich habe vollstes Vertrauen in den neuen Stiftungsratspräsidenten und in den neuen Stiftungsrat. Ich wünsche für die Zukunft, dass die Offenheit, Transparenz und die Rückgabe von freien Mitteln weiter gepflegt werden können, dass viele gute Anschlüsse getätigt werden und dass der Stiftungsrat weiterhin den Versicherten und Pensionären dient.
Das Gespräch führte Marlene Caduff.













